Unsere Farben oder keine!

Wider die Unruhe

Ein Kommentar

Zauberwort Kontinuität.

Im Optimalfall wird der FCK in Zukunft die Rolle des Ausbildungsvereins einnehmen. Mehrere bekannte Vorbilder liefern hierzu eine Vorlage. Einen mittelgroßen Umbruch im Spielerkader wird es in den nächsten Jahren daher zwangsläufig immer geben, wenn die großen der Branche anklopfen. Dass Gladbach zurzeit gefühlt unsere halbe Mannschaft haben möchte hat nur eines verdient, nämlich Respekt. Da mit Max Eberl dort der fähigste Macher im Business seinen Platz gefunden hat. (In-)direkt kann man jetzt also schon den Ertrag der eigenen Leistung abschöpfen und das nach nur einem Jahr Zusammenarbeit von Runjaic & Schupp. Dass die eigene Verhandlungsposition im Auftiegsfalle deutlich besser gewesen wäre, möchte ich natürlich nicht außen vor lassen und darf auch ruhig genannt werden. Kontinuität im Kaderbereich hat mit dem verpassten Aufstieg aber nur sekundär zu tun.

Vielmehr wird es in der Zukunft um eine ganz andere Art der Kontinuität gehen.

Es wird in Zukunft vielmehr darum gehen eine engere Verknüpfung zwischen Nachwuchs- und Profiabteilung zu fördern. Ein stufenloser Übergang von der F-Jugend bis in den Profibereich. Ein gleiches Spielsystem, der immer gleiche Spielstil, taktische Vorgaben und spielerische Elemente auf allen Ebenen des Vereins zu assimilieren um so einen lückenlosen sportlichen Übergang innerhalb des Clubs – über alle Jugendabteilungen hinweg – möglich zu machen. Ganz nach dem Vorbild der „La Masia“ in Barcelona, wo ausnahmslos alle Bereiche im Verein bis ins letzte Detail miteinander koordiniert sind. Diese gilt vorallem deshalb als die beste Ausbildungsstätte der Fußballwelt. Hier gibt es wahnsinnigen Nachholbedarf, nicht nur beim FCK, auch beim Rest von Fußballdeutschland.

Ich sah den FCK mit Runjaic auf einem guten Weg hier eine Vorreiterrolle einzunehmen, erste Annäherungsversuche zwischen ihm und Fünfstück haben ja bereits stattgefunden. Wie soll ein Abwehrspeler den Sprung aus der U21 in die Profiabteilung schaffen, wenn zwei verschiedene Trainer gänzlich unterschiedliche Rollen für ihn vorsehen beziehungsweise unterschiedliche taktische Vorstellungen vom Abwehrspiel haben. Fußballerisch sind das zwei verschiedene Welten. Eine Trennung von Runjaic würde dieser gesamten Entwicklung einen Riegel vorschieben.

Man hat mit Runjaic einen Trainer gefunden, der die klare Idee seiner Spielweise auch umsetzt. Man wollte ein Konzept entwickeln das auf Nachhaltigkeit setzt und Runjaics System nach und nach adaptiert. Dem ganzen jetzt Hals über Kopf ein Ende zu setzen, wäre eine erneute Übersprungshandlung und die zweitgrößte Rückentwicklung der jüngeren FCK-Geschichte nach dem Abstieg 2012. Zumal ich uns mit Runjaic an der Seitenlinie in der ersten Liga konkurrenzfähiger sehe als in der zweiten. Er ist ein in der Branche hochgeschätzter Mann. Das Interesse aus Hannover und Frankfurt, beides im übrigen etablierte Bundesligavereine, kommt nicht von ungefähr.

Zitat Bruno Hübner in der Frankfurter Rundschau (2011): “Er beschäftigt sich rund um die Uhr mit Fußball. Er will sich immer weiterbilden, er ist rhetorisch begabt und hat eine soziale Komponente, er sieht auch die Lebensumstände der Spieler.” Fast im Überschwang betonte Hübner: “Er ist der optimale Trainer. Er hat das Zeug für Liga eins und zwei.”

Wer nach dem Spiel gegen Ingolstadt im Stadion aufgepasst hat weiß, dass die so polarisierenden Negativlinge in der Gesamtheit nur eine Minderheit darstellen. Respekt an Runjaic, mir wäre bei solch steter Kritik und dummdreister Besserwisserei einiger Möchtegern-Trainer schon lange die Hutschnur hochgegangen.

Es geht nicht darum Kosta Runjaic auf einen Thron zu heben und ihn als unfehlbar darzustellen. Auch er durchläuft einen Lernprozess, genau wie jeder einzelne Spieler. Verbesserungen zu letzter Saison sind klar zu erkennen, oder redet hier noch irgendjemand über eine zu hoch gestaffelte Abwehr? Das Lieblingsthema der Taktikkritiker im letzten Jahr. Wäre er fehlerlos, wäre er nicht beim FCK. Auch hier lassen sich Parallelen zu seinen Schützlingen ziehen.

Es geht vielmehr darum, dass Runjaic seit mindestens 15 Jahren der erste Trainer ist, der eine klare Spielidee erkennen lässt und diese beharrlich durchzieht. Für welche Art von Fußball standen nochmal Wolfgang Wolf, Kjetil Rekdal, Marco Kurz, Franco Foda? Mir ist es irgendwie gerade entfallen. Wir hätten endlich die Möglichkeit einen Verein auf die Beine zu stellen, der Profil zeigt, eine klare Linie verfolgt und für eine deutlich zu erkennende Art und Weise des Fußballspiels steht!

Ich kann mich nur wiederholen. Der Fußball hat sich weiterentwickelt, der FCK ist gerade dabei sich (verspätet) mit zu entwickeln und wird dann ausgerechnet vom eigenen Umfeld ausgebremst, weil Prioritäten gesetzt werden, die einem Profiverein der heutigen Zeit nicht würdig sind. Es werden Spieler in den Himmel gehoben, die nächste Saison in Gladbach erleben werden was es wirklich heißt einen Lebensstil zu führen, der dem eines Profis gerecht wird. Es werden Trainer gefordert, die auf unterstem Niveau in SWR-Mikrofone blöken und auf Wettkampfebene kein Land sehen würden. Passt der FCK nicht auf, dann erstickt er zeitnah an eben diesem festgefahrenen, stagnativen Denken des eigenen Publikums. Eben jenes muss sich mitentwickeln und nicht in (gutgemeinten) altmodischen Prinzipien verharren, die den Verein daran hindern vielleicht doch irgendwann einmal den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

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Ein Kommentar zu “Wider die Unruhe

  1. Toller Artikel, der meine volle Zustimmung hat.

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