Unsere Farben oder keine!

„Calhanoglu? Süle? Das sind keine Vorbilder für mich!“

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Er gilt als eines der größten Talente Deutschlands auf der Position des Innenverteidigers. Mit erst 19 Jahren durchlief der gebürtige Neustadter Kevin Akpoguma fast alle Jugendnationalmannschaften und steht seit Juli 2013 beim Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim unter Vertrag. Als Sohn eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter ist er zwar in der Pfalz geboren, seine fußballerische Heimat fand er hier allerdings nie. Im Rahmen eines ausführlichen Interviews sprach ich mit dem frischgebackenen U19-Europameister über seine derzeitige sportliche Situation und seine Vorstellungen von der Zukunft.

Kevin, in den Medien wurde während den letzten Wochen viel über einen möglichen Wechsel zu anderen Bundesligisten spekuliert, auch der HSV wurde genannt, dessen Trainer Joe Zinnbauer kennst Du noch aus Karlsruhe. Was ist dran an den Gerüchten?

Damit beschäftige ich mich eigentlich kaum. So etwas läuft immer über die Manager der Vereine. Das müssen Herr Rosen und die Vereinsoffiziellen von Hamburg unter sich klären. Natürlich liegt die Entscheidung letzten Endes bei mir und solange ich hier einen Vertrag habe, werde ich hier bleiben um Fußball zu spielen.

Du bist zwar in Neustadt geboren, die ersten Jahre Deines Lebens bist Du allerdings zusammen mit Deiner Familie sehr viel umgezogen. Wie kam es dazu?

Meine Oma ist damals zusammen mit meiner Mutter aus der DDR geflohen und hat in Neustadt ein neues zu Hause gefunden. Dort hat meine Mutter dann später meinen Vater kennen gelernt, der ihretwegen nach Neustadt zog. Ziemlich bald nach meiner Geburt sind wir dann jedoch nach Harthausen und später weiter nach Speyer gezogen, da mein Vater in Schifferstadt arbeitete. Beim ersten Umzug war ich gerade mal ein Jahr alt. Mittlerweile lebt meine Familie in Wörth.

Hast Du aktuell noch Kontakte in Deine Geburtsstadt?

Leider nicht, die Familie meiner Mutter ist sehr klein. Auch der Großteil meiner Freunde lebt in Karlsruhe oder Wörth. Dorthin habe ich die meisten Kontakte.

Du bist schon recht früh in die Nachwuchsförderung des Karlsruher SC aufgenommen worden. Wie kam der Wechsel damals zustande? Gab es auch andere Vereine aus der Region, die sich um Dich bemüht hatten?

Ja, das stimmt. Im Anschluss an unseren Umzug nach Wörth wurde der Karlsruher SC schon ziemlich schnell auf mich aufmerksam. Ich war damals erst zwölf und die Mannschaft des KSC spielte in derselben Liga wie mein damaliger Verein. Mit anderen größeren Vereinen wie Kaiserslautern oder Mainz gab es keinerlei Kontakt, da wusste ich eigentlich direkt wie ich mich entscheide. Es war aber auf jeden Fall eine große Umstellung. Das Training in Karlsruhe war schon wesentlich professioneller, obwohl wir ja alle noch recht jung waren.

Mit 18 Jahren hast Du dich dann entschieden den nächsten Schritt zu gehen und bist dem Ruf der TSG 1899 Hoffenheim gefolgt. Welche Aspekte haben damals den Ausschlag für den Wechsel gegeben?

Ich habe fast meine gesamte Jugend bei Karlsruhe gespielt. Das ist mir auch sehr wichtig, denn hier habe ich das gelernt, was mich heute ausmacht. Dann hat sich aber irgendwann Hoffenheim um mich bemüht, das fing schon in der U17 an, ich wollte damals natürlich unbedingt zu einem Bundesligisten. Außerdem hatte Alexander Rosen, mit dem ich schon seit der U17 in Kontakt stand, gerade den Posten des Sportdirektors für die Profi-Abteilung übernommen. Deshalb habe ich mich dann letztlich für den Wechsel entschieden.

Du spielst jetzt Deine zweite Saison im Kraichgau. Wurden Deine Erwartungen bisher erfüllt?

Zu Beginn hatte ich eigentlich keinerlei Erwartungen. Ich kam damals aus der dritten Liga und habe mir nicht direkt zum Ziel gesetzt Stammspieler zu werden oder Bundesliga zu spielen. Wichtig war für mich die Entwicklung, die ich hier bei Hoffenheim genießen kann. Ich wollte den Weg zum Profi in aller Ruhe gehen. In Hoffenheim habe ich hierfür die besten Möglichkeiten.

Du bist der jüngste Torschütze aller Zeiten in der 3. Bundesliga, ist Dir das bewusst?

Ja, das weiß ich. Damals war ich noch bei Karlsruhe und habe gegen den VFL Osnabrück das zwischenzeitliche 3 : 0 erzielt. Das Spiel haben wir dann knapp mit 3 : 2 gewonnen. Als ungefähr eine Woche nach meinem Tor darüber berichtet wurde, habe ich davon erfahren. Aber mir bedeutet es eigentlich gar nicht so viel. Damals waren die drei Punkte wichtig um dem Aufstieg ein Stück näher zu kommen. Für mich ist es mehr oder weniger ein ganz normales Tor.

Dieses Jahr im Juli folgte dann der Höhepunkt Deiner noch jungen Karriere. In Ungarn wurdest Du mit der deutschen U19 Nationalmannschaft Europameister.

Das war natürlich ein einmaliges Erlebnis. Ich durfte bei jedem Spiel von Anfang an ran und wurde nur einmal ausgewechselt. Ich bin sehr froh, dass ich mit der Mannschaft den Pokal holen konnte. Das Turnier wollte ich unbedingt spielen und bin dem Verein sehr dankbar, dass er mir die Freigabe erteilt hat. Als wir Österreich im Halbfinale mit 4 : 0 geschlagen hatten, war ich mir sicher, dass wir das Turnier gewinnen werden. Für mich ist aber vor allem wichtig, jetzt im Verein weiterhin Gas zu geben um bei den Trainern einen guten Eindruck zu hinterlassen. Man sollte sich nie auf seinem Erfolg ausruhen, auch wenn ich natürlich weiß, dass mir die Medaille keiner mehr wegnimmt.

Bei der U17 Europameisterschaft 2012 standest Du auch im Finale. Man führte ebenfalls bis kurz vor Schluss mit 1 : 0, verlor jedoch anschließend unglücklich im Elfmeterschießen. Hattest Du dieses Mal Angst vor einem Déjà-vu?

Nein, überhaupt nicht. Der größte Teil der damaligen Spieler war dieses Mal nicht mit dabei, auch die Trainer waren verschieden. Man hat vielleicht ein bisschen daran gedacht, aber das ganze Turnier war einfach ein anderes.

Unter Horst Hrubesch bist Du in der U18 Nationalmannschaft nicht unerfolgreich ein ganzes Jahr als Stürmer aufgelaufen, wäre das eine Option für die Zukunft?

Die Situation war damals eine andere. Der Trainer kannte mich noch nicht wirklich und meinte, ich hätte im Sturm durchaus gute Qualitäten. Herr Hrubesch hat mich dann auch nur als Stürmer gesehen und war zufrieden mit meinen Leistungen. Daher kam ich dann fast ausschließlich offensiv zum Einsatz. Im Verein bei Karlsruhe habe ich dann wieder in der Verteidigung gespielt, das ist auch die Position auf der ich mich am wohlsten fühle. Auf der Außenverteidigerposition kommt mir meine Schnelligkeit entgegen, man kann sich immer mal wieder vorne mit einschalten, darf aber gleichzeitig die Defensive nicht vernachlässigen. Das macht auf jeden Fall eine Menge Spaß, auch wenn mich die meisten Leute aufgrund meiner Statur eher im defensiven Zentrum sehen.

Wo siehst Du dort Deine größten Stärken?

Durch meine Schnelligkeit kann ich immer mal wieder Bälle und Gegner sauber ablaufen, das kommt mir auf jeden Fall sehr zu Gute. Außerdem bin ich mehr der Typ Spieler, der sich für den Spielaufbau verantwortlich zeigt. Als reinen Abräumer sehe ich mich nicht.

Viele talentierte Spieler werden durch Verletzungen ausgebremst. Machst Du dir darüber Gedanken?

Natürlich bekommt man immer mal wieder mit, wenn sich Teamkollegen schlimmer verletzen. Das wünscht man niemandem. Ich selbst versuche das allerdings größtenteils auszublenden, meistens passieren solche Dinge gerade dann, wenn man daran denkt. Das ist auch meine Einstellung im Spiel, ich probiere einfach mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren und bisher hat es ja ganz gut geklappt.

Der Weg zum Profi bringt auch viel Verzicht mit sich. Wie wichtig ist hierbei die richtige Einstellung zum Sport?

Sehr wichtig. Ohne die richtige Einstellung wirst du kein Profi. Talent ist viel, aber nicht alles. Sowohl auf als auch außerhalb des Platzes muss die Einstellung einfach stimmen. Man muss sicherlich verzichten, kann zum Beispiel nicht ständig mit seinen Kumpels feiern gehen. Man muss auf seinen Körper achten, sich gesund ernähren und 100 Prozent fit sein. Gerade jetzt, in der Phase in der ich mich befinde ist es wichtig topfit zu sein um wirklich 90 Minuten Kraft zu haben. Wenn die Fitness stimmt, kommt der Rest von ganz alleine. Um das alles auch professionell umsetzen zu können, bekommt man schon viel vom Verein geboten. Sauna, Ernährungspläne, Kälte- und Wärmebecken sowie Physiotherapie, wir haben hier fast alles um entsprechend zu leben.

Ehemalige Weggefährten und Mannschaftskameraden avancieren bei ihren Bundesligavereinen nach und nach zu Stammspielern. Wie sieht beispielsweise Dein Kontakt zu Hakan Calhanoglu (Bayer Leverkusen) oder Niklas Süle (TSG 1899 Hoffenheim) aus? Sind die beiden Vorbilder für Dich?

Hakan kenne ich aus unserer gemeinsamen Zeit in Karlsruhe. Kontakt haben wir aber eher wenig, man kennt sich zwar, darüber hinaus haben wir jedoch nicht viel miteinander zu tun. Bei Niklas Süle ist das anders. Wir sind gut befreundet, kennen uns von früher. Auch wenn er jetzt bei den Profis spielt, ist er genau der gleiche Mensch geblieben wie damals und das ist auch gut so. Man gönnt es ihm natürlich und freut sich auch darüber. Letztendlich möchte ich aber auf mich schauen, mir ist es wichtig meinen eigenen Weg zu gehen. Vorbildcharakter haben sie für mich daher eher nicht.

Wer ist denn dann Dein Vorbild?

Ganz klar Jerome Boateng von Bayern München. Er spielt auch in der Innenverteidigung, ist groß, schnell und ist bisher sehr weit gekommen. Er ist auf jeden Fall ein Spieler zu dem ich aufblicke. Leider habe ich ihn bisher noch nicht persönlich treffen können, zwei bis drei Livespiele habe ich mir von ihm allerdings schon angeschaut.

Nachdem Du die gesamte letzte Saison bei den Profis trainieren konntest, bist Du in diesem Jahr wieder bei der U23 dabei. Wie sieht Dein Kontakt zum Profitrainer Markus Gisdol aus?

Ich kenne Herrn Gisdol vom Training im letzten Jahr. Der Respekt von beiden Seiten ist auf jeden Fall vorhanden. Seine Co-Trainer sind oft zum Zuschauen bei unseren Spielen. Ab und zu wird auch mal ein U23 Spieler hochgezogen um die Lücken im Profikader zu schließen. Der Austausch findet dabei hauptsächlich über unsere U23-Trainer statt, die bei Bedarf direkt auf uns zu kommen.

Weißt Du was er von Dir fordert damit es vielleicht auch einmal zu einem Einsatz im Profiteam reicht?

Ja, definitiv. Wir hatten vor einiger Zeit ein recht ausführliches Gespräch in dem er mit mir meine Stärken und Schwächen analysiert hat. Zum Beispiel muss ich noch lernen einige Signale während des Spiels besser einzuschätzen. Hoffenheim spielt ein starkes Pressing, ich muss noch ein besseres Gefühl dafür entwickeln, wann ich den Gegner am besten anlaufe um ihm Probleme zu bereiten. Unnötige Fehlpässe oder leichtsinnige Ballverluste muss ich natürlich versuchen zu vermeiden. Aber ich glaube, wenn ich es schaffe mein Spiel konstant über die volle Spielzeit fehlerfrei zu halten, bin ich auf einem guten Weg.

Aufgrund Deiner nigerianischen Wurzeln könntest Du auch für das Heimatland Deines Vaters spielen. Wäre das eine Option?

Ich bin noch relativ jung. Nach den ganzen Auftritten für die deutschen Jugendnationalmannschaften wäre es ein Traum von mir, auch mal für die Großen zu spielen. Das versuche ich mir so lang wie möglich offen zu halten. Nigeria würde dann in Frage kommen, wenn ich irgendwann feststellen würde, dass es für die deutsche A-Nationalmannschaft nicht reicht. Solange ich aber die Chance habe für Deutschland Fußball zu spielen, wäre das sicherlich meine erste Wahl. DFB-Sportdirektor Hansi Flick ist öfters mal zum Zuschauen bei unseren Spielen, aber darüber man macht sich noch nicht wirklich Gedanken. Der Weg zur A-Nationalmannschaft wird über die Bundesliga führen, das sieht man immer wieder, deshalb ist es wichtig sich im Verein anständig zu präsentieren.

Wo siehst Du dich in naher Zukunft?

Ich fühle mich sehr wohl in Hoffenheim und habe mich auch bis 2017 langfristig an den Verein gebunden. Ich finde ich habe mich in den vergangenen anderthalb Jahren gut entwickeln können, auch wenn es manchmal nur in kleinen Schritten voran geht, das steht für mich an erster Stelle. Den Weg den mir die TSG zeigt würde ich gerne weitergehen und ich bin zuversichtlich, dass ich irgendwann einmal für das Profiteam auflaufen werde. Ich möchte gerne verletzungsfrei bleiben, die Trainingsbedingungen hier sind ausgezeichnet und solange ich mich dem Trainerteam der Profis regelmäßig empfehlen kann, bin ich zuversichtlich.

Hast Du einen Traum, bezogen auf Deine fußballerische Karriere?

Mein Traum war es schon immer in England zu spielen. Der Fußball dort ist sehr aggressiv, sehr temporeich. Seit ich denken kann, bin ich Fan von Manchester City. Mit elf Jahren hat mir mein Onkel, der damals in Manchester lebte, ein Trikot geschenkt. Das Trikot habe ich immer noch. Ich würde viel opfern um einmal für Manchester City auflaufen zu dürfen.

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