Unsere Farben oder keine!

Eine Bestandsaufnahme

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Immer mehr rote Schals sind auf Pfälzer Straßen zu erkennen. Vielleicht begünstigt durch die angebrochene Winterzeit, schützen sie die Menschen in den Fußgängerzonen entweder gegen die aufkommende Novemberkälte oder werden gut sichtbar für Jedermann hinter den Heckscheiben der Autos aufgespannt. Auf den Bolzplätzen der Region kicken die Kinder stets öfter im Stöger-Dress, während der Ronaldo im Schrank bleibt. Mit anderen Worten: Die Identifikation mit ihrem FCK kehrt in der Pfalz zurück. Langsam.

Die junge Truppe des 1. FC Kaiserslautern macht momentan einfach Spaß. Nach rund einem Drittel der Saison ist wohl der Großteil der Anhängerschaft positiv überrascht vom bisherigen Saisonverlauf. Nicht nur, dass man in der Tabelle gut platziert ist, vielmehr imponiert die frische, freche Spielweise der Jungs. In keinem Spiel der Saison war der FCK spielerisch die unterlegene Mannschaft, ergebnistechnisch jedoch leider zweimal. Auch bei den Unentschieden in Sandhausen, Aalen, Heidenheim, Leipzig und zu Hause gegen Düsseldorf, hätte man mit etwas mehr Fortune und besseren Schiedsrichterleistungen als Sieger vom Platz gehen können oder sogar müssen.

Natürlich läuft noch nicht alles rund. Eine eklatante Abschlussschwäche gepaart mit Wettkampfpech in den entscheidenden Situationen verhinderte oft eine höhere Punkteausbeute und gipfelt in Fehlschüssen aus Distanzen von weniger als drei Metern durch Philipp Hofmann oder Dominique Heintz. Fehlende Strafraumpräsenz bei hohen Bällen macht Tobias Sippel auch durch blitzgescheite Reaktionen auf der Linie nicht wieder wett. Nur ein Wechsel hin zu Marius Müller wird hier in Zukunft mehr Sicherheit bringen.

Die langwierigen Verletzungen von Alexander Ring und Kerem Demirbay waren bittere Pillen, welche die Anhängerschaft schon früh in der Saison schlucken mussten. Jedoch scheint es die Mannschaft nicht so schwer zu treffen, wie zunächst befürchtet. Während uns in der Spitze unwiderlegbar Qualität verloren geht, konnte das größte Übel durch die Breite des Kaders abgefedert werden.

Der bisher beste Spieler der Saison und unser wohl größtes Talent auf der Acht.

Zack. Weg. Für mehrere Monate.

Gerade in Sachen taktische Variabilität muss man nun eingeschränkter agieren als noch zuvor. Während des Spiels bleiben weniger Möglichkeiten um kurzfristig Einfluss auf spontane Spielentwicklungen zu nehmen. Zudem müssen Spieler in die Bresche springen, die rein physisch unter Umständen eine Pause nötig und verdient hätten. Kevin Stöger zum Beispiel wirkte in der zweiten Halbzeit gegen Leipzig weniger spritzig, ausgelaugt. Kein Wunder, wenn man fast jedes Spiel von Beginn an bestreitet und sowohl im Pokal als auch in der Liga oft über die volle Distanz gehen muss. Schon mit 20 Jahren avanciert der Österreicher zu einem Leistungsträger im Team.

Die Früchte der zu Saisonbeginn angestrebten Systemumstellung beginnen langsam zu reifen, einige konnte man bereits ernten. Man steht meist sehr kompakt, hat spielerisch oft die Oberhand. Man versucht regelmäßig knifflige Situationen technisch ansprechend zu lösen, selbst auf engstem Raum. Ein verstärktes, allerdings noch nicht optimal umgesetztes Pressingverhalten zwingt den Gegner oft zu Fehlpässen, das daraus resultierende Umschaltspiel bleibt jedoch weiterhin verbesserungswürdig. Eine stärkere Chancenausbeute wäre hierbei ein wesentlich entlastender Faktor.

Verglichen mit letztem Jahr scheint das Spielverständnis der einzelnen Mannschaftsglieder untereinander insgesamt wesentlich verbessert. Um diesen Aufwand zu betreiben ist ein hohes Maß an Konzentration nötig. Leichtsinnsfehler und einfache Ballverluste in der eigenen Hälfte gehören jedoch seltener zur Tagesordnung als man das noch aus der Vergangenheit gewohnt war. In der Sommerpause wurde einiges bewegt, alles konnte noch nicht umgesetzt werden. Wir befinden uns aber inmitten eines laufenden Prozesses, der mehr und mehr erfolgversprechende Aussichten erkennen lässt.

Auch mannschaftsintern scheint es endlich wieder zu stimmen. Spieler die von der Bank kommen zünden sofort. Sie beißen, kämpfen, schließen die Lücken fast eins zu eins. Nach Jahren voller Wagners, Vermouths und Edes ist dies eine Wohltat für die geschundene Betzeseele.

Für viele ist es schier unerklärlich wie fahrlässig zum Teil klarste Torgelegenheiten ausgelassen werden. Für viele ist es schier unerklärlich, dass sich zwei der wichtigsten Akteure binnen eines Spiels verletzen. Für viele ist es schier unerklärlich, dass der FCK auch in dieser Saison die meisten Schiedsrichterfehlentscheidungen gegen sich zu verbuchen hat. Eine Auflistung aller Fehlentscheidungen zeigt die Konsequenzen dieser Benachteiligungen durch die deutschen Unparteiischen deutlich. Viele Fans wünschen sich hier schon länger ein paar klare Worte seitens der Vereinsverantwortlichen.

Jedoch kann man nicht immer alles erklären und ich finde, das müssen wir auch nicht. Lasst die junge Mannschaft zum Ende der Hinrunde noch auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen sein. Denn ist die Lunte erst einmal gerochen, kann in der Rückrunde der Teufel los sein.

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