Unsere Farben oder keine!

Goldanleihe

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Das Dreieck beschreibt in der Regel einen Grundbegriff der Geometrie.

Es bildet wohl die einfachste Figur in der Ebene, die von geraden Linien begrenzt wird.

In anderen Zusammenhängen wird das Dreieck gerne als Metapher herangezogen, immer dann, wenn drei Eckpunkte miteinander in Interaktion treten. Während das Goldene Dreieck beispielsweise eine vom Mekong durchzogene Grenzregion der Staaten Thailand, Laos und Myanmar umschreibt, ist den meisten Fußballfans wohl eher die Bezeichnung des magischen Dreiecks ein Begriff. Giovane Elber, Fredi Bobic und der vorletzte FCK-Trainer Krassimir Balakov bildeten Mitte der 90er – Jahre ein wohl nie zuvor da gewesenes Offensiv-Trio beim VFB Stuttgart.

2014, Pfalz: Von eben diesem VFB Stuttgart kam im Sommer der Vorsaison der damals noch neunzehnjährige Kevin Stöger per Zweijahresleihe zum FCK. Nach einem Jahr Eingewöhnungszeit schickt sich der technisch beschlagene offensive Mittelfeldspieler nun in dieser Saison an, zusammen mit seinen nicht minder begabten Kollegen Kerem Demirbay und Amin Younes, ein ebenfalls brillantes Angriffs-Trio zu formieren. Einmal davon abgesehen, dass die Helden von Stuttgart teilweise andere Positionen mimten, wäre es vermessen hier weitere hochtrabende Parallelen ziehen zu wollen. Allerdings spielen sich die drei Toptalente momentan in die Herzen des Pfälzer Publikums. Mit frechem, fintenreichen Angriffsfußball verkörpern sie fulminant den vor der Saison ausgerufenen Philosophiewechsel auf dem Betzenberg. Eine goldene Zukunft wird ihnen allemal vorausgesagt, doch die Sache hat einen entscheidenden Haken.

Denn die drei Goldjungen sind geliehen. Geliehen von Erstligisten, bis zum Ende der Saison. Ohne Kaufoption, ohne Vorkaufsrecht, ohne irgendeinen anderen Schnickschnack. Das bedeutet, im Normalfall sind sie nächsten Sommer weg. Alle drei.

Während man bei Stöger immerhin eine Leihe über zwei Jahre realisieren konnte, beläuft sich die Laufzeit der Leihverträge von Amin Younes und Kerem Demirbay auf gerade einmal eine Saison. Das große Talent der Jungs blieb den anderen Vereinen also offensichtlich nicht verborgen. Für sie ist der FCK eine Bühne auf der sie sich präsentieren wollen, präsentieren müssen.

Einige Fans befürchten den großen Bruch nach der Saison. Einer Saison, bei der man zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Prognose abgeben kann, wohin die Reise gehen wird. Planungssicherheit? Fehlanzeige.

Dabei hat der FCK durchaus gute Erfahrungen mit Leihspielern, die sich innerhalb der Mannschaft zu Leistungsträgern aufschwingen. In der Aufstiegssaison 2009/2010 legten Akteure wie der mittlerweile beim FC Schalke spielende Sidney Sam den Grundstein zur erfolgreichen Saisongestaltung. Zudem könnte man argumentieren, dass Spieler einer derartigen Qualität, anderenfalls wohl nie in Kaiserslautern landen würden, eine Leihe daher das Maximum der Gefühle ist.

Bisher konnten die drei kreativen Jungspunde die gegnerischen Abwehrreihen noch nie gemeinschaftlich durcheinander wirbeln. Kerem Demirbay gab bei seinem Debüt gegen den FSV aus Frankfurt einen hervorragenden Taktgeber im Mittelfeld. Er gewann das Gros seiner Zweikämpfe, war ständig anspielbar, kräftig in Vorwärts- und Rückwärtsbewegung, zudem extrem torgefährlich. Auch Amin Younes deutete – bisher nur von der Bank kommend – sein unglaubliches Potential mehr als nur an. Beide müssten bei entsprechendem Fitnessstand einen Stammplatz sicher haben. Und dann ist da eben noch Kevin Stöger. Der feine Techniker scheint sein zu Hause auf der Zehnerposition gefunden zu haben, da seine Fähigkeiten entlang der Außenlinie regelmäßig verpuffen. Für ihn scheint in der Startelf derzeit kein Platz zu sein.

Schade vor allem, weil der junge Österreicher in dieser Saison Gewehr bei Fuß stand um anzugreifen und das Vertrauen des Trainers in den ersten Saisonspielen mit guten Leistungen zurückzahlte. Doch vornehmlich scheint die Systemausrichtung ausschlaggebend dafür, dass Stöger sich wohl damit abfinden muss, öfters von der Bank zu kommen.

Im momentan erfolgreich praktizierten 4-1-4-1 System ist neben Younes, Demirbay und dem ebenfalls gesetzten Matmour kein Platz mehr für einen weiteren fast ausschließlich offensiv orientieren Mittelfeldspieler. Mit Alexander Ring, der in dieser Saison defensiv stark verbessert wirkt oder auch Ruben Jenssen, gibt es mehr als genug geeignete Kandidaten, die Markus Karl defensiv den Rücken freihalten können.

Man sollte versuchen, Spaß zu finden am erfrischenden Fußball, der die drei Leihspieler derzeit auszeichnet. Nicht schon in vorherbstliche Depressionen verfallen, weil nächsten Sommer ja sowieso das Mannschaftsgefüge zusammenbrechen wird und Leistungsträger den Berg verlassen. Man hat sich entschieden einen Weg einzuschlagen, bei dem es sich unweigerlich nicht verhindern lässt, Spieler, die höheren Ansprüchen genügen, ziehen zu lassen. Langfristig kann das der Weg zum Erfolg sein, wenn man es gleichzeitig schafft, vom überdurchschnittlichen Spiel der Leiharbeiter zu profitieren.

Dann ja, dann wäre man irgendwann vielleicht sogar in der Lage, den ein oder anderen talentierten Burschen längerfristig an sich zu binden. Und wer weiß, sollten sich in diesem Jahr wieder unerwartet Mehreinnahmen durch zum Beispiel den DFB-Pokal ergeben, oder man würde – selbstredend entgegen aller Erwartung – doch um den Aufstieg mitspielen, könnte richtig Geld in die Hand genommen werden um entweder Kerem, Amin oder Kevin endgültig in einen roten Teufel zu verwandeln.

Zukunftsmusik.

Im Hier und Jetzt sollten wir froh sein, ein solch erquickendes Kreativpotential in unseren Reihen zu haben, auch wenn sich der ein oder andere erst einmal hinten anstellen muss. So etwas nennt man wohl Luxusproblem, was auf der offensiven Mittelfeldposition, vor einigen Wochen, in dieser Art und Weise nicht zu erwarten war. Vielleicht ergibt sich ja auch einmal die Chance, alle drei zugleich aufzustellen und somit das geliehene Mittelfeld-Trio im direkten Zusammenspiel zu erleben.

Der 1. FC Kaiserslautern kann sich zur Zeit auf jeden Fall glücklich schätzen, so viele junge talentierte Kicker in seinen Reihen zu wissen. Das ist der Verdienst von Markus Schupp, der in seiner ersten Transferperiode als Sportdirektor scheinbar oftmals ein goldenes Händchen bewies. Wie das Trainerteam diesen Steilpass umsetzt und ob sie in der Lage sind längerfristig ein Team zu formen, das dem Publikum wie bisher zu gefallen weiß, wird sich im weiteren Verlauf der Sasion zeigen.

Eine nachhaltige Entwicklung ist allerdings nur möglich, wenn auch eigene Talente wie Jean Zimmer oder Dominique Heintz regelmäßig Einsatzzeiten bekommen. Dann nämlich, kann man zusätzlich junge Leihspieler einsetzen, auch wenn man weiß, dass sie einem nur zeitlich begrenzt Freude bereiten werden. Ein Bruch wäre am Saisonende somit vermeidbar, würde zum gut kalkulierbaren Schnitt werden, der mit etwas Fingerspitzengefühl vielleicht sogar als goldener Schnitt erfolgsbringend sein kann.

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