Unsere Farben oder keine!

O Captain! My Captain!

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Ein Nachruf:

Vor einigen wenigen Wochen trauerte die Welt um den großartigen Charakterdarsteller Robin Williams. Als einer der wenigen hatte er das Talent, Millionen von Menschen über Generationen hinweg in unterschiedlichste Gefühlswelten zu schicken. Das tragische daran: Während er seine Zuschauer oft herzerfrischend amüsierte, schien ausgerechnet er selbst der Unglücklichste von allen zu sein. Der berühmte traurige Clown.

Auf der Fußballbühne der Pfalz, dem heiligsten aller Fußballberge, wurden die Zuschauer in den letzten Jahren ebenfalls durch verschiedenste Gefühlswelten gejagt. Und gerade in jüngster Vergangenheit mussten die roten Teufel von einem ihrer Hauptdarsteller Abschied nehmen, denn ihr Captain hatte sich zu einer tragenden Säule des Teams entwickelt.

Nachdem er zwei Spielzeiten lang das Trikot der Jungs vom Betze getragen hatte, zog es den gebürtigen Katalanen Marc Torrejón eine Etage höher und der 28- jährige wechselte während der laufenden Saison zum Sportclub nach Freiburg.

Ohne unseren Captain, musste daher auf den grasgrünen Brettern, die für so viele zehntausende Menschen – oftmals mehr als – die Welt bedeuten, umgedacht werden. Der Kapitän ist von Board gegangen, der Fels in der Brandung zerschellt, das Steuerruder gebrochen. Oder weniger dramatisch: Der in den letzten Jahren wohl souveränste und sympathischste FCK-Spieler, spielt jetzt für die Konkurrenz.

Ein Mann, der sicherlich fußballerisch kein Messias war, an dem sich junge Spieler allerdings stets orientieren und aufbauen konnten. Gewissermaßen die Konstante einer von Wechseln und Unbeständigkeit geprägten Mannschaft. Nachfolger Lakic muss beweisen, dass er die Kapitänsfortführung zurecht für sich entschieden hat. Leise Kritik ist durchaus berechtigt, da unsere Nummer neun seinen Stammplatz keineswegs sicher innehat, da ihm talentierte Kollegen im Nacken sitzen. Wirkliche Konkurrenz wollte sich aber auch nicht wirklich aufdrängen, da Markus Karl wohl zu wenig Rückhalt in der Fangemeinde genießt und Chris Löwe das Standing im Team fehlt.

Den Abgang Torrejóns wird ihm wohl niemand wirklich übel nehmen können. Er hat es sich einfach verdient, in der ersten Bundesliga zu kicken. Verdient hat auch der FCK. 1,2 Millionen werden kolportiert. Was dabei dennoch ungemein schmerzt, ist, wie man vom Geschäft Profifußball ohne Vorwarnung auf die Fresse bekommt. Ein mittelmäßig liquider Club aus dem Oberhaus ist in der Lage, uns unseren Kapitän während der laufenden Saison wegzukaufen.

Nach vollständig absolvierter Vorbereitung haben unsere Vereinsoberen keine andere Wahl als bei einer entsprechenden Summe den Capitano ziehen zu lassen. Von Seelenverkauf war unter den Fans zwischenzeitlich gesprochen worden.

That’s business bitches!

Doch während ich diese drei Worte inklusive ‚contraction‘ in meinen Laptop tippe, fühle ich diese bitteren Emotionen, die wohl die meisten von uns fühlten, als die Nachricht um Marcs Abgang die Runde machte. Ich möchte nicht, dass unser Kapitän so mir nichts, dir nichts von Freiburg gekauft wird, das ist nicht mein Verständnis von Sport und Fairness, aber es ist nun mal Realität, und Wirklichkeiten tun bekanntlich von Zeit zu Zeit einmal weh.

Plums. Willkommen auf dem harten, kalten Boden.

Will man mittelfristig in der höchsten aller Spielklassen kicken, wird es, mit Blick nach vorne, unsere einzige Möglichkeit sein, Spieler teurer zu verkaufen als man sie gekauft hat. Ausgerechnet der SC Freiburg lässt hier als glänzendes Vorbild grüßen, welch Ironie. Auch wenn es wie im Falle Torrejón – oder Zuck – ein Tritt in die Eier ist, es wird nicht der Letzte bleiben.

Bleibt zu guter Letzt noch die Frage, wer die spanische Lücke füllen wird. Der vielzitierte „Kinderriegel“? Risikoreich. Vollmilchschokolade schmilzt ganz gerne, wenn’s mal hitziger wird. Heubach? Eine Wundertüte. Da sich zum Ende der Transferperiode noch verstärkt nach einem erfahrenen Innenverteidiger umgeschaut wurde, scheint das Vertrauen in ihn, beziehungsweise den Nachwuchsjungen Schindele nicht ungebrochen. Ungeachtet dessen, dass sich letzten Endes kein passender Neuzugang finden ließ, muss die Defensivzentrale beständiger werden.

Die Möglichkeit, Markus Karl in die Innenverteidigung zurückzuziehen und die defensive Mittelfeldposition kreativer zu besetzen – zum Beispiel durch Jenssen oder Demirbay – wird zur Zeit lediglich unter Fans geäußert, scheint aber in den Überlegungen des Trainergespanns keine Rolle zu spielen.

Es bleibt festzuhalten, dass der so überraschende Verlust der Identifikationsfigur Marc Torrejón ein herber Schlag für alle Anhänger war, es jetzt aber an der Mannschaft und den Verantwortlichen liegt, dass dieser Verlust nur emotional schmerzt, sich nicht sportlich auswirkt und somit verhindert werden kann, dass eine der beteiligten Parteien am Ende als trauriger Clown entlarvt wird und gute Miene zum traurigen Spiel machen muss.

Mucha suerte, Marc Torrejón!

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