Unsere Farben oder keine!

Die Personalie Ariel B.

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Gestern und Heute

5. Februar 2012:

Es ist das Premierenspiel eines 20-Jährigen polnischen Nationalspielers auf dem Betzenberg. In der Winterpause noch auf den letzten Drücker von Legia Warschau in die Pfalz gewechselt, absolviert  Ariel Borysiuk, dessen fußballerisches zu Hause das defensive Mittelfeld ist, sein erstes Spiel im Jersey der roten Teufel. Beim Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln vor knapp über 38.000 Zuschauern legt der zweifache Vater gleich engagiert und vielleicht etwas übermotiviert los und hat schon nach knapp  40 gespielten Minuten Feierabend. Gelb/Rot noch vor dem Pausenpfiff. Sein Premierenspiel nimmt ein jähes Ende. Der FCK verliert 0:1. Dass dieses Spiel stellvertretend für den weiteren Verlauf der nächsten anderthalb Jahre des Ariel B. beim pfälzer Traditionsverein stehen würde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen.

5. Dezember 2013:

Der 1. FC Kaiserslautern spielt mittlerweile eine Liga tiefer. Erlebt allerdings unter Trainer Kosta Runjaic gerade so etwas wie einen zweiten Frühling und führte am 26. November erstmals in diesem Jahr die Tabelle der 2. Fußballbundesliga an. Und Ariel Borysiuk? Als zweifelsohne hochtalentierter, polnischer Jungnationalspieler findet er sich selbst nicht einmal mehr im Kader der ersten Mannschaft wieder. Muss stattdessen in der Regionalliga – Südwest an den Ball. Für die zweite Mannschaft des FCK. Und das, obwohl er sich zwischenzeitlich durch seine robuste Spielweise in die Herzen des pfälzer Publikums gespielt hatte. Was war geschehen?

Turbulente Zeiten

Zu Beginn unter Marco Kurz war Borysiuk fast immer gesetzt. Bei den Fans der „roten Teufel“ erarbeitete sich der junge Pole schnell den Ruf des kompromisslosen Abräumers. Durch sein hartgesottenes und teilweise etwas ungestümes  Einsteigen wusste er regelmäßig zu gefallen. Das ist nun mal der Fußball den man auf dem Betzenberg sehen will. Und Borysiuk verstand es, genau diese Mischung aus Wille und Kampfgeist an den Tag zu legen. In der Rückrunde 2012 hatte er dann das Pech, Teil der wohl schlechtesten FCK-Mannschaft seit Jahrzehnten zu sein.  Ähnlich wie bei seinen Mannschaftskollegen lief bei ihm so gut wie nichts zusammen, auch wenn Borysiuk ein ums andere Mal als positives, kämpferisches Vorbild vorausging. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, der Jungspund würde innerhalb kürzester Zeit zum Teamleader heranreifen. Verbesserungswürdig blieb lange Zeit sein Aufbauspiel, respektive das Setzen offensiver Akzente. So war es Borysiuk bisher noch nicht vergönnt einen Treffer für die roten Teufel zu markieren. Auch zwei magere Torvorbereitungen sprechen eine deutliche Sprache.

Beim kurzen Gastspiel von Krassimir Balakov konnte sich Borysiuk noch zum Stammkader zählen. Der Abstieg war ob dem Versagen des gesamten Kollektives jedoch nicht zu verhindern. Unter dem neuen Trainer Franco Foda wollte Borysiuk – so wie gesamte Mannschaft – einen Neuanfang starten. Der junge „Sechser“ war lange Zeit fester Bestandteil der neusortierten Lautrer Mannschaft und konnte sich trotz steigendem Konkurrenzdruck – zum Beispiel dem Dazustoßen von Markus Karl – gegen seine Positionskonkurrenten durchsetzen. Weiterhin wusste er das pfälzer Publikum durch Laufbereitschaft, Spielübersicht, kluge Diagonalpässe und seine aggressive Zweikampfführung zu überzeugen. Bei beiden Relegationsspielen gegen die TSG 1899 Hoffenheim lief Borysiuk beide Male auf, zeigte eine engagierte Leistung und kassierte im Rückspiel schon nach zehn Minuten eine gelbe Karte. In der gesamten Saison waren es zehn. Bei 30 Spielen kommt er somit auf einen Schnitt von einem gelben Karton in drei Spielen. Für einen defensiven Mittelfeldspieler ein respektabler Wert.

Neuer Trainer – kein neues Glück

Ein Spieler, der letzte Saison für viele der beste defensive 6er der Liga war. Eigentlich sollte man da nicht lange überlegen müssen ob dieser junge aufstrebende polnische Nationalspieler in die Startelf gehört oder nicht. Seit der neuen Saison läuft es allerdings alles andere als rund für Ariel Borysiuk. Besonders unter dem neuen Trainer Kosta Runjaic, der den FCK im Moment auf neue Höhen zu heben scheint, hat Borysiuk keinerlei Aussicht auf einen Platz im Kader, beziehungsweise auf die Startformation. Die Konkurrenz auf seiner Position ist zweifelsohne größer geworden. Mit Alexander Ring, Markus Karl, Ruben Jenssen, Enis Alushi, Willy Orban und Steven Zellner  befinden sich noch sechs weitere angestammte „Sechser“ im Kader.  Borysiuk muss plötzlich die ungewohnte Außenseiterrolle einnehmen. Über das warum lässt sich nur spekulieren. Die zeitweise offen vorgetragenen Begründungen, der junge Pole könne die Sprachbarriere nicht zufriedenstellend überwinden, sind mittlerweile wohl eher hinfällig.

Vielmehr könnte das veränderte System ein Grund sein. Unter Runjaic spielt der FCK zwar durchaus ein aggressives Pressing, sehr viel Wert wird aber auch auf die passive Raumdeckung gelegt. Spieler wie Alushi oder Ring denken sehr raumorientiert, sodass ihnen die eher passive Interpretation des 4-4-2-Mittelfeldpressings liegt. Ariel spielt hingegen gerne mannorientiert und wartet ungern ab, weshalb ihm eine passive Raumdeckung nicht entgegenkommt. Er sucht oft sehr direkt den Zweikampf und öffnet damit Räume in seinem Rücken. Sein wohl direktester Konkurrent für einen Stammplatz ist der auch eher defensiv orientierte Markus Karl. Karl besitzt eine enorme Zweikampfpräsenz, ein gutes Kopfballspiel, ein sicheres  Stellungsspiel, Spielübersicht, Erfahrung und ist letztendlich auch wesentlich torgefährlicher als Boris.

Enis Alushi spielt seit seinem Comeback nach seinem Kreuzbandriss auch wieder stark auf. Er verkörpert zwar eher den klassischen Achter, hatte vor seiner Verletzung die Eigenschaften eines fast perfekten Sechsers aber voll umgesetzt. Wenn er daran wieder anknüpft wird es für Boris im Kampf um den Kaderplatz noch schwerer.

Bei der bisherigen Leistung von Ring und Jenssen spricht viel für Alushi auf der acht. Daneben dann entweder der momentan sehr souveräne Karl oder unsere wiedererstarkte Meerjungfrau. Die Frage, die man sich nun stellen muss ist, ob man lieber auf einen jungen entwicklungsfähigen Spieler setzt oder auf einen eher routinierten Mann, der das Team mehr führen kann.

Im Duell der Jungen hat wohl momentan auch Willi Orban die Nase vorne. Aufgrund seiner  Vielseitigkeit und seiner Kopfballstärke wurde er zuletzt sowohl von Foda als auch Runjaic regelmäßig vorgezogen. Orban kann sowohl Innenverteidigung als auch defensives Mittelfeld spielen. Über kurz oder lang sollte sich allerdings Qualität gegen Vielseitigkeit durchsetzen.

Geldvernichtung

Mit einer Nichtberücksichtigung von Borysiuk verbrennt der FCK auch Kapital. Es wäre aus wirtschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll einen jungen Spieler, der in Zukunft eine gewisse Ablösesumme generieren kann in die Startelf zu setzen. Gerade weil andere junge Spieler wir Heintz, Zimmer oder Fortounis sich ebenfalls noch nicht sattelfest in die erste Elf spielen konnten. Mit  Borysiuk auf der Bank wird Kaiserslautern – im Verkaufsfall – keine ansprechende Ablöse erzielen können.

Zukunftsaussichten

Als Fazit kann man zusammenfassen, dass man die derzeitige Situation im defensiven Mittelfeld durchaus als Luxusproblem bezeichnen kann, denn Karl und Borysiuk sind für die zweite Liga gute Spieler. In Gladbach zeigen Kramer und Xhaka, dass es  ohne große Erfahrung auf der Sechserposition funktionieren kann, allerdings ist es trotzdem mit Sicherheit von Vorteil eine gewisse Reife im Mittelfeld auf dem Platz zu haben.

Aus zukunftsorientierter Sicht allerdings, wäre es mit Sicherheit hilfreich einige junge Spieler auf dem Platz zu haben, die entweder noch viele Jahre Leistung bringen können, auch in der 1. Liga, oder in naher Zukunft eine hohe Ablöse  generieren können. Das spricht definitiv für Borysiuk. Sollte Coach Kosta nicht langfristig mit dem jungen Polen planen, so ist er wohl einer der heißesten Kandidaten für einen Abgang im nächsten Sommer oder sogar schon früher.

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